32 | 1938 | 0 – Die Synagogen in Thüringen

Titelbild: Der Standort der großen Synagoge des Architekten Richard Klepzig (1860 – nach 1923) in Gotha heute.

32 Bild- und 32 Texttafeln auf extra entworfenen und angefertigten Stelen vergegenwärtigen die Geschichte der Synagogen und des jüdischen Lebens in Thüringen. Die Ausstellung ist zugleich als Wanderausstellung konzipiert

Altenburg 
Arnstadt 
Aschenhausen 
Barchfeld 
Berkach
Bibra 
Bleicherode 
Eisenach
Ellrich
Erfurt
Gehaus
Geisa
Gera 1/2 
Gleicherwiesen 
Gotha 
Heiligenstadt 
Hildburghausen 1/2 
Ilmenau 
Meiningen 
Mühlhausen 
Nordhausen 
Schleusingen 
Schmalkalden 
Schwarza 
Sondershausen 
Stadtlengsfeld 
Suhl
Themar
Vacha
Walldorf

Sichtbar machen, was aus dem Blick geraten ist und Jahr für Jahr unsichtbarer wird, das ist das Ziel einer Ausstellung von Judith Rüber und Jan Kobel im Milchhof Arnstadt vom 24. September bis zum 14. November 2021. Ein Ausstellungsprojekt des Milchhof Arnstadt e.V. im Rahmen der und unterstützt von den ACHAVA Festspielen.

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Mehr Schande als Fleck? Die Verachtung historischer Bausubstanz und die Ideologie der Moderne in Deutschland

Eine Analyse mit Handlungsperspektive

(Titelbild: Kammgarnspinnerei Wernshausen, errichtet 1836-1920, Abriss 2009, © TLDA)

Wir bauen eine neue Gesellschaft, aber diese Gesellschaft darf nicht in die Gehäuse der alten kriechen.
Hans Sharoun, Stadtbaudirektor Berlin 1945/46

Verfasser: Jan Kobel, Judith Rüber, im Januar 2021

A_Abstract / Zusammenfassung und Nachweiszweck:

1) Von allen baulichen Zeugnissen, auf die Deutschland zurückblicken kann, ist ein Gebäudetypus am meisten von Zerstörung bedroht: die Industriearchitektur des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Kein anderer Typus steht so oft leer und kein anderer Leerstand bedeutet so schnell Abriss. 
Damit gehen nicht nur Jahr für Jahr wertvolle Architekturen und Denkmäler verloren, die von der Geschichte einer Industriekultur zeugen, die Deutschland bis heute prägt. Diese Abrisse sind auch in ökologischer Hinsicht unverantwortlich, da der Erhalt und die Wiederherstellung dieser Gebäude ein vielfaches nachhaltiger ist als ihr Abriss und eventuelle Neubauten. Schließlich sind diese Fabrikarchitekturen durch keinen Neubau zu übertreffen was ihren Erlebnis- und Nutzwert angeht für Wohnen, Handel, Kunst und Gewerbe. 

2) Obwohl diese Erkenntnis nicht neu ist, Deutschland zahlreiche Beispiele erfolgreicher Umnutzungen von Industriekulturen vorweisen kann, ist der Abriss dieser Gebäude nicht gestoppt. Das liegt an zwei Gründen, wie diese Abhandlung nachweisen will: 
Zum einen an einem gebrochenem Verhältnis der deutschen Baukultur zu ihrer eigenen Geschichte, die durch zwei politisch-moralische Zusammenbrüche im 20. Jahrhundert geprägt ist, die andere europäische Staaten so nicht erlebten. Dabei kommt der Ideologie und dem Absolutheitsanspruch der Moderne eine nicht unerhebliche Rolle zu: Schön und gut ist bis heute nur, was neu ist!
Zum anderen der ungebrochenen Bereitschaft des Bundes und der Länder, erhebliche Mittel für sog. „Brachenberäumungen“ zur Verfügung zu stellen. Das erscheint problematisch vor allem deshalb, weil diese Mittel ausgeschüttet werden völlig getrennt davon, inwiefern die durch diese Gelder ins Werk gesetzten Abrisse tatsächlich ihrem Anspruch, Flächen „wiederzubeleben“, gerecht werden. Wie gezeigt werden kann, sind diese Mittel nicht nur Voraussetzung für viele Abrissprojekte, sondern ihr Motor. Bund und Ländern kommt hier eine Verantwortung zu, die nur selten diskutiert wird.

3) Deshalb kann ein ernsthafter Versuch, dem deutschen Abrisswahn gegen (nicht nur, aber insbesondere) die unwiederbringlichen Industriearchitekturen unseres Landes entgegenzutreten, nur darin bestehen, die Fokussierung auf denkmalpflegerische Aspekte auszuweiten auch auf Aspekte der ökologischen Nachhaltigkeit, der gewerblichen Nutzungspotenziale und der positiven sozialen Folgeeffekte für Städte und Kommunen. Zugleich muss es gelingen, die Bundes- und Landesbehörden von der wirtschaftspolitischen und stadtplanerischen Schädlichkeit ihrer Vergabepolitik zu überzeugen. Eine Petition an den Deutschen Bundestag ist in Vorbereitung.

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weiß. nullpunkt der moderne.
Milchhof Arnstadt, 24. Mai bis 31. August 2019

Die Ausstellung weiß. nullpunkt der moderne. im Milchhof Arnstadt vom 24. 5. bis 31. August 2019. Täglich geöffnet von 10 bis 18 Uhr. ACHTUNG: Quenselstr. 16, 99310 Arnstadt

HIER GEHT’S ZUR BILDERGALERIE:
https://500px.com/jankobel/galleries/weiss-nullpunkt-der-moderne

Gefördert durch

Kuratorin: Judith Rüber
Die Ausstellung ist seit dem 31.8.2019 geschlossen. Wir bieten Führungen an  zum Milchhof und seinem Architekten Martin Schwarz. Kostenlos, wenngleich wir uns über eine Spende an den Verein Milchhof Arnstadt e.V. freuen.
ACHTUNG: Quenselstr. 16, 99310 Arnstadt!
Bitte melden Sie sich bei Interesse an unter
info@milchhof-arnstadt.de

Weitere Links zum Projekt:
Download Web-Version der Broschüre:
(© Jan Kobel & Judith Rüber):
https://milchhof-arnstadt.de/wp-content/uploads/2019/06/Milchhof_Borschuere_web.pdf

Einblick in das teilsanierte Gebäude und die Ausstellung
(© Jan Kobel):
https://500px.com/jankobel/galleries/weiss-nullpunkt-der-moderne

Böick in das Atrium mit marokkanischen Teppichen …
… und Teestube

Herzstück der Ausstellung war das Teppichprojekt „Die Teppiche der Frauen der Amazir“. 18 marokkanische Vintage-Teppiche, Teppichknüpfen am selbstgebauten Webstuhl, und unser Video über die Tradition der marokkanischen Teppiche:
Hier das Teppich-Video der Milchhof-Ausstellung 2019

Konzerte, Lesungen, Schlemmer’sches Puppenspiel, Foren: das war unser Veranstaltungs-Programm:

Facebook-Präsenz:
https://www.facebook.com/milchhof.arnstadt/

WIR DANKEN FÜR IHRE UNTERSTÜTZUNG:
der Thüringer Staatskanzlei
der Firma Tönsmann:
https://www.teppich-toensmann.de
der Firma Claytec: 
https://www.claytec.de

weiß. nullpunkt der moderne.
Ausstellungen / Diskussionen / Konzerte / Lesungen / Puppenspiel / Mitmach-Werkstatt /
Ausstellung täglich geöffnet von 10 bis 18 Uhr / 
ACHTUNG: Quenselst. 16, 99310 Arnstadt!
Eintritt Ausstellung 8,00 € / ermäßigt 0,00 €
Eintritt Veranstaltungen: 0,00 bis 14,00 €, siehe unten!

Wir begründen eine fundamental neue Ästhetik. Es bleibt uns nichts mehr von der Architektur früherer Epochen
Le Corbusier, 1927

Wir bauen eine neue Gesellschaft, aber diese Gesellschaft darf nicht in die Gehäuse der alten kriechen
Hans Scharoun, 1946

Der Milchhof Arnstadt ist ein Baudenkmal der Klassischen Moderne von 1928, und als dieses sowohl Teil der deutschen als auch der thüringer GRAND TOUR DER MODERNE 2019 sowie offizieller Partner des Bauhaus100-Programms des Bauhaus-Verbundes der Länder und der Stiftungen. Wegen dieser Bedeutung wird das Gebäude des Architekten Martin Schwarz mit Hilfe des Landes Thüringen Schritt für Schritt wiederhergestellt und neuen kulturellen und sozialen Nutzungen zugeführt.

Im Zuge dieser Wiederbelebung präsentieren wir im Sommer des Jahres 2019 das Ausstellungsprojekt  weiß. nullpunkt der moderne. 

Rückseite des Modells von Haus Josephine Baker von Adolf Loos (1928), Foto von Armin Linke im Rahmen des Re-enactment Projekts von Ines Weizman für Ordos 100, 2008

Konzeption der Ausstellung:
Wie keine andere Farbe steht die Farbe weiß für den Aufbruch in die Moderne. weiß ist die Farbe des Lichts, die Farbe der reinen Form, die Farbe des Neustarts und des leeren, erst noch zu beschreibenden Blattes Papier.

weiß. nullpunkt der moderne.
Milchhof Arnstadt, 24. Mai bis 31. August 2019
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Die Bauten des Martin Schwarz // Die Synagoge zu Arnstadt (1913 bis 1938)

Ausstellungseröffnung //
Milchhof Arnstadt, 26. September 2018, 19:00 Uhr

—-  Geöffnet Sonntags von 14:00 bis 16:00 Uhr, NICHT am 21. Oktober!
Oder nach telefonischer Vereinbarung unter 0171.1208500  —-

25 Jahre zwischen Hoffnung und Niedertracht

Die Synagoge zu Arnstadt wurde am 26. September 1913 feierlich eingeweiht, unter Beisein von hohen Würdenträgern von Stadt und Land. Die wachsende Die Bauten des Martin Schwarz // Die Synagoge zu Arnstadt (1913 bis 1938) weiterlesen

Wir gründen einen Verein (2)
Dienstag, 22. August 2017, 17.30 Uhr

Der Milchhof Arnstadt ist, so viel kann man heute sagen, vor dem Verfall gerettet. Durch die Unterstützung des Landes Thüringen ist die Eigentümerin, die Baudenkmal Milchhof Arnstadt GmbH, in der Lage, zusammen mit einem Beirat aus qualifizierten Fachleuten noch dieses Jahr die Wiederherstellung des Daches und der großen Oberlichter anzugehen. Damit ist der Milchhof bis zum Bauhaus-Jubiläum 2019 gut aufgestellt: er wird nutzbar sein, trocken, und mit Gläsern in den Fenstern der Witterung trotzen.
Bis das Gebäude wieder voll hergestellt und ausgestattet ist, können jedoch noch Jahre vergehen. Wir suchen engagierte Bürger, die Ideen haben und mitmachen Wir gründen einen Verein (2)
Dienstag, 22. August 2017, 17.30 Uhr
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SHARING HERITAGE 2018 – Fazit / Ausblicke der Tagung vom 12. und 13. Juni 2017 im Milchhof Arnstadt zur Thüringer Industriekultur

Blick vom Dach der ehemaligen Wolff'schen Mälzerei in der Thälmannstrasse in Erfurt in Richtung Osten

Fotos: Christian Daether / Jan Kobel
Die im Januar 2017 in Weimar geborene Idee, das spürbare Interesse der bundesweiten Fachwelt an der Thüringer Industriekultur (IK) zu nutzen und zu einem Symposium einzuladen, stieß auf großes Echo. Mit zwölf Referenten aus sechs Bundesländern kamen auch sehr unterschiedliche Aspekte der IK zum Tragen: von der Radroute bis zur Zwangsarbeit, von der Pflege der IK in der DDR bis zu ihrer Umnutzung für Großveranstaltungen.
(siehe auch: https://milchhof-arnstadt.de/2017/06/01/industriekultur-thueringen/)

Prof. Hans-Rudolf Meier (links), Bauhaus-Uni Weimar, und Prof. Dietrich Soyez, Universität Köln

Deutlich wurde, dass Thüringen vor allen gegenüber Berlin und Sachsen einen erheblichen Nachholbedarf hat, was die politische Agenda in Sachen IK betrifft. Das Land Thüringen scheint sich trotz seiner wichtigen Rolle in der industriegeschichtlichen Entwicklung Europas und trotz (oder wegen?) seines neuen Selbstbewußtseins als High-Tech-Standort bis heute eher als Land mittelalterlicher oder barocker Kulturen zu definieren, und in Sachen Kultur die Rolle der IK auszuklammern. Ähnliches gilt für Erfurt: Historische industrielle Architekturen gehören abgerissen, anstatt gesichert, so die allenthalben praktizierte Politik. Unsere Identität liegt irgendwo zwischen Mittelalter und Klassik. Auf jeden Fall nicht in der Industrialisierung des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. SHARING HERITAGE 2018 – Fazit / Ausblicke der Tagung vom 12. und 13. Juni 2017 im Milchhof Arnstadt zur Thüringer Industriekultur weiterlesen

SHARING HERITAGE 2018
Kulturelles Erbe kennt keine Grenzen

Ungebremst dem Verfall preisgegeben: Industriebauten in Neustadt / Orla

Die Veranstaltung ist erfolgreich abgeschlossen worden. Eine Zusammenfassung gibt es hier:
https://milchhof-arnstadt.de/wp-content/uploads/2020/01/17.08_Industriekultur-in-Thüringen_FAZIT.pdf
Zur Fotogalerie geht es hier:
http://galerie.jankobel.de/arnstadt170613/index.html)

Industriekultur in Thüringen
Symposium in Erfurt und Arnstadt / 12. – 13. Juni 2017

mit Unterstützung von:

Europäisches Kulturerbejahr Sharing Heritage / Thüringer Themenjahr Industrialisierung und soziale Bewegungen / 200. Geburtstag von Karl Marx – das Jahr 2018 ist ein Jahr der Rückbesinnung auf unser Industrielles Erbe und soziale Vermächtnisse, in Thüringen und in Europa.
12 Referenten aus sechs Bundesländern kommen nach Erfurt und Arnstadt und lassen uns im Vorfeld des Themenjahres an Ihren Erfahrungen teilhaben.
SHARING HERITAGE 2018
Kulturelles Erbe kennt keine Grenzen
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taz on tour im Milchhof – für die offene Gesellschaft

Kleinstadt verstehen. Gar nicht so leicht

taz was here. Eine kleine aber engagierte Runde aus Politik, Verwaltung, Neubürgern und Alteingesessenen. Thema: Arnstadt – Zwischen Stillstand und Visionen?
Unser Fazit: Das Problem ist nicht, dass es keine Lösungen und Engagierte für eine lebhaftere und attraktivere Stadt gäbe, sondern dass einige diese Ideen und Lösungen als unnötig und manchmal auch Ihrer Lebensart fern betrachten. Irgendwie auch eine Art von Kulturkampf. Das ist schade, weil alle im gleichen Boot sitzen und der Gegensatz von „Alt-Arnschtern“ und Zugezogenen eigentlich gar nicht existiert. Sachlich gesehen. Aber der Bauch sagt eben manchmal anderes. Hier sind die Bilder und die Berichterstattung der Presse:

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Bauhaus des Volkes / Das "Haus des Volkes" des Franz Itting (1875-1967)

Oben: streng rechter Winkel vom Stuhl bis in die Stahlbeton-Unterzüge sowie Vollverglasung: betonte Funktionalität im Restaurant des "Haus des Volkes"

Auf der niedrigsten Nord-Süd-Durchquerung des Thüringer Waldes, an der Grenze zu Franken, liegt Probstzella. Wie eine herrschaftliche Festung überragt ein ungewöhnliches Gebäude den kleinen Ort: das „Haus des Volkes“, errichtet und ausgestattet von den Bauhäuslern Alfred und Gertrud Arndt 1927.
Wie im Falle des Faguswerkes des Carl Benscheidt in Alfeld an der Leine verdanken wir dieses Zeugnis vom Aufbruch in die Moderne einem sozial und fortschrittlich eingestellten Unternehmer.

Haus des Volkes, Probstzella (1927)

Fries und Erker ohne Dekor auf der Fassade

Der erste Blick: eine Enttäuschung. Wer auf den Spuren des Bauhauses in Probstzella anlandet, hat anderes erwartet: Bauhaus des Volkes / Das "Haus des Volkes" des Franz Itting (1875-1967) weiterlesen

Bauhaus? Bauhaus-Stil? Oder gar kein Stil?

„Der Würfel war Trumpf und seine Seiten waren gelb, rot, blau, weiß, grau, schwarz… Als Bauhausleiter bekämpfte ich den Bauhausstil“
Hannes Meyer, 1930

Hat ein Haus ein Flachdach, sitzen die Fenster asymetrisch in den Ecken und wird auf jegliches Dekor verzichtet, ist das Urteil schnell gemacht: „Bauhaus-Stil“. So richtig die Beobachtung sein mag, steckt doch in diesem Begriff gleich zweimal der Wurm! Bauhaus? Bauhaus-Stil? Oder gar kein Stil? weiterlesen