ein tag im zeichen der klassischen moderne /
milchhof arnstadt, 29. Juni 2016 / rückblick

Eine Veranstaltung in einem verfallenden Denkmal, gemeinsam getragen vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie und den Eigentümern – so lautete das experimentelle Konzept unter dem Motto bauhaus 2019 – denkmalpflege und die bauten der moderne.
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Drei Objekte des Modernen Bauens, alle auf unterschiedlicher Weise in prekärem Zustand, waren Thema des Tages: der Wartburg-Pavillion von Günther Wehrmann in Eisenach, der Garagenbau von Alfred Arndt in Probstzella und der Milchhof Arnstadt von Martin Schwarz, das am meisten bedrohte Gebäude – und Gastgeber des Kolloquiums. Die zweite Hälfte des Tages war geprägt vom Thema bauhaus 2019 – und wie der Funktionalismus der Moderne gerade in städtebaulicher Sicht immer wieder dieselben Irrwege beschreitet. ein tag im zeichen der klassischen moderne /
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bauhaus 2019 – denkmalpflege und die bauten der moderne
milchhof arnstadt, 29. juni 2016 / ankündigung

Im Uhrzeigersinn von links oben: Ausstellungspavillon der Wartburg-Automobilwerke (Eisenach) von Günther Wehrmann (Foto: Archiv Horst Ihling), Garagenbau zum Haus des Volkes (Probstzella) von Alfred Arndt, Milchhof Arnstadt von Martin Schwarz (Urheber unbekannt).

Gemeinsam war Architekten, Planern und Künstlern im Staatlichen Bauhaus in Weimar und seinem Wirkungsfeld der gezielte Bruch mit den gestalterischen und sozialen Konventionen der in den grausamen Schlachten des Ersten Weltkrieges untergegangenen Welt.  Alle Tradition wurde in Frage gestellt, alles Gestalten auf Null gesetzt. Die Zeit der genossenschaftlichen Bewegungen im Wohnen, in der Produktion, im Gewerbe und in den Künsten begann. Die Gründung des Bauhauses 1919 in Weimar fokusierte und beschleunigte in einmaliger Art und Weise und international das, was wir heute Moderne nennen. bauhaus 2019 – denkmalpflege und die bauten der moderne
milchhof arnstadt, 29. juni 2016 / ankündigung
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Den Originalfassungen auf der Spur

Noch sind es lange keine 100 Jahre, dass der Milchhof Arnstadt errichtet und eingeweiht wurde. Und dennoch haben wir kaum eine Ahnung, mit welchen Farben, Fließen und Ausstattungen der Architekt Martin Schwarz das Gebäude im Dezember 1928 der Öffentlichkeit präsentierte.

Diesen Befunden auf der Spur ist der Restaurator Ludwig Volkmann von der Firma Coreon aus Weimar. Nach den ersten bautechnischen und statischen Untersuchungen, die alle eine solide Qualität der Substanz des Milchhofs ergaben, geht es nun an die denkmalpflegerischen Befunde.

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Ludwig Volkmann hat sich dafür im Milchhof einquartiert und geht nun ein paar Tage auf Spurensuche. Erste Resultate: Das Besprechungszimmer der Betriebsleitung ist zwischen 1928 und 1989 17(!)mal neu gestrichen oder tapeziert worden. Die Originaltapete von 1928 ist zwar in den dreißiger Jahren entfernt worden, unter eine Abdeckleiste blieb sie mit zwei weiteren späteren Lagen jedoch erhalten. Farbe: taubenblau.

So marode das Gebäude auch erscheint, und so stark die Schäden durch eindringendes Wasser, Frost und Vandalismus sind, es gibt immer noch viel zu entdecken.

Das gemeinsame Ziel der Eigentümer und der Thüringer Denkmalpflege ist es, das Gebäude so weit wie möglich in den Originalzustand zurückzuversetzen und dadurch dauerhaft nachvollziehbar und erlebbar zu machen, mit welchen Materialien, Formen und Farben sich der Aufbruch in die sogenannte „Moderne“ der 20er Jahre auch in Arnstadt vollzog.

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Fehlende Fußleisten verraten: hier war eine zweiflügelige Tür!

Dank der Unterstützung des Landesamtes und des Thüringer Förderpreises für Denkmalpflege sind wir in der Lage, diese Untersuchungen vornehmen   und bis 2017 auch an der Fassade eine Musterachse zu erstellen, die auf ca 5 m Breite Holzfenster, Metallfenster, Metall-Schiebetür, Farbgebung und Fassadengestaltung rekonstruieren wird. Mit einer solchen Musterachse wird anschaulich, wie sich der Milchhof präsentieren wird, wenn in ein paar Jahren wieder Leben in ihn – und in das ganze Quartier – einziehen wird.

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Ludwig Volkmann von Coreon aus Weimar ist Restaurator und den Befunden des Milchhofs auf der Spur.

Fünf Gründe für die Platte …

Hinschauen oder wegschauen? Mit jedem abgerissenen Block – hier Leipzig 2007 – wächst die Erkenntnis, dass mehr verschwindet als ein paar Scheiben Beton. Egal ob Denkmal der Klassischen Moderne oder Plattenbau aus den 70ern, wir müssen die Stadt weiterbauen und umgestalten. Aber nicht abreissen und uns einbilden, dass besser wird, was wir danach neu errichten. Nur aus dem respektvollen Dialog mit dem Gewachsenen entsteht Geborgenheit.

„Seit Anfang der Moderne macht der Architekt erst einmal Tabula rasa, und setzt dann seine neuen Gebäude auf’s Grundstück. Mit diesem falschen Bild im Kopf leben wir noch“  Muck Petzet

… oder warum wir (auch) Plattenbauten nicht mehr abreißen sollten

Der Münchner Architekt Muck Petzet macht vor wenigen Jahren Schlagzeilen, als er auf der Architekturbiennale in Venedig 2012 im Deutschen Pavillon seine architektonische Trias „Reduce, Reuse, Recycle“ präsentierte. Da wir Architektur teilweise wie ein Müllproblem behandeln, sollten wir die Gesichtspunkte der Nachhaltigkeit auch auf das Bauen anwenden: Neubauten reduzieren, Altbauten umnutzen, Materialien weiterverwenden (Interview Muck Petzet / Detail / Oktober 2012).

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Einfach nicht tot zu kriegen: Revolution der Ästhetik 1919-1933

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„Das Bauhaus war eines der radikalsten, alles verändernden ästhetischen Konzepte, das es vielleicht jemals gab“ (Tobias Rehberger)

Das Bauhaus-Jubiläum 2019 wirft seine Schatten voraus, so zum Beispiel mit einer Ausstellung in der Bundeskunsthalle in Bonn, die der dortige Generalanzeiger wie folgt bespricht:

http://www.general-anzeiger-bonn.de/news/kultur-und-medien/bonn/Das-Bauhaus-lebt-article3221630.html

Die grundlegende Idee meiner kleinen Arnstädter Ausstellung
„Urknall der Moderne – ein neuer Begriff von Schönheit, industrieller Formgebung und sozialer Verantwortung“ (siehe http://milchhof-arnstadt.de/2015/10/04/bauhaus_urknall_der_moderne/) drückt der Autor Thomas Kleemann so aus:

„Sozial, funktional, industriell sollte Bauhaus-Design nach dem Willen seiner Mütter und Väter sein – und blieb doch trotz innovativer Materialwahl einer archaischen, vorindustriellen Handwerkskunst verhaftet, war elitär und teuer.“

und er bemerkt:

… versucht wird, der Bauhausidee jahrzehnteübergreifend auf den Grund zu gehen. Da wird etwa ein Stuhl aus Karbon-Kautschuk-Komposite von Clemens Weishaar (2012) zu Mies van der Rohes Armstuhl MR20/3 (1927) oder Marcel Breuers Freischwinger B 33 (1927/28) in Beziehung gesetzt. Wie innovativ waren Mies und Breuer? Was bleibt von ihrer ideologischen Material- und Formaskese? Und was haben die Design-Enkel und -Urenkel daraus gemacht?“

Wer bis 2019 mitreden möchte, sollte also schauen, dass er bis zum 14. August 2016 nach Bonn kommt.

Urknall der Moderne
Das Bauhaus in Weimar und Dessau und der Milchhof in Arnstadt

Titelbild: Rekonstruktion des Meisterhauses von Gropius in Dessau durch das Architekturbüro Bruno Fioretti Marquez

2019 schaut Deutschland auf die Gründung einer Institution zurück, die in den Augen der Welt den Anfang all dessen symbolisiert, was wir als Modernes Bauen und Design bezeichnen: das Staatliche Bauhaus in Weimar, 1919 von Walter Gropius gegründet. Was ist so besonderes daran, dass Tausende auf den Spuren dieses internationalen Aufbruchs 2019 nach Deutschland und Thüringen kommen werden?

Entwurf einer kleinen Ausstellung anhand des Milchhofs in Arnstadt in drei Akten / ab 27. November 2015 im Stadthaus Arnstadt

von Judith Rüber und Jan Kobel Urknall der Moderne
Das Bauhaus in Weimar und Dessau und der Milchhof in Arnstadt
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Das Bauhaus Weimar und seine Bedeutung für Thüringen

Dankesrede von Dr. Jan Kobel anlässlich der Verleihung des Thüringer Förderpreis für Denkmalpflege 2015 an den Milchhof Arnstadt in Schmalkalden am 12.09.2015
Titel: Detail aus den Treppenhäusern des Bauhaus Dessau / Walter Gropius (links) und Milchhof Arnstadt / Martin Schwarz (rechts). Foto rechts: Walther Grunwald

Sehr geehrte Damen und Herren,

Ende August fuhren meine Frau und ich abends nach Weimar, zu einem Vortrag von Neil MacGregor, dem Direktor des British Museums in London und designierten Chefkurator des neuen Humboldtforums in Berlin. Er sprach über das Geschichtsverständnis der Deutschen und über Deutschlands kulturelle Sonderstellung in Europa, und er sprach, wie nur ein Angelsachse über Deutschland sprechen kann – und darf: voller Bewunderung und Begeisterung.

In seiner Rede ging es auch um Buchenwald, und er sagte den Satz:

How could it happen? How did all the great humanizing traditions of Germany – Dürer, Luthers bible, Bach, the Enlightenment, Goethe, the Bauhaus and much much more fail to avert this total ethical collapse?

Wie konnte Buchenwald passieren – im Land von Bach, Goethe und Bauhaus? Und während MacGregor noch gestand, daß er darauf keine Antwort kenne, dachte ich mir: er spricht über Deutschland, aber genau genommen spricht er über Thüringen. Das Bauhaus Weimar und seine Bedeutung für Thüringen weiterlesen

„… berufen, die Bevölkerung zu versorgen“
Der Architekt Martin Schwarz über den Milchhof Arnstadt

Der Arnstädter Architekt Martin Schwarz über den Milchhof Arnstadt anlässlich dessen Eröffnung am 04.12.1928 / 
Abschrift aus dem Arnstädter Anzeiger v. 03.12.1928
Achtung: dieser Artikel einer Tageszeitung umfaßt 16.000 Anschläge! Er stammt offenbar aus einer Zeit, als die Presse noch nicht befürchtete, mit detaillierten Ausführungen ihr Publikum zu "überfrachten".

Der Milchhof Arnstadt

Zur Eröffnung am 4. Dezember 1928
von Dipl. Ing. M. Schwarz, Architekt Arnstadt

Seit Jahren mehrt sich in allen Ländern – unterstützt durch eine wirksame Propaganda der an einer rationellen Volksernährung interessierten Kreise – die Erkenntnis vom Wert der Milch und der Milchprodukte. Vorbildlich ist in dieser Hinsicht Amerika gewesen, wo die Förderung des Milchkonsums vom Staat gleich nach dem Krieg mit allen Mitteln unterstützt wurde.

Auch in Deutschland, insbesondere in Süddeutschland, hat die Bewegung einen ungeheuren Aufschwung erlebt, im Zusammenhang mit der Entwicklung des landwirtschaftlichen Genossenschaftswesens. „… berufen, die Bevölkerung zu versorgen“
Der Architekt Martin Schwarz über den Milchhof Arnstadt
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Der Milchhof in Arnstadt
Geschichte, Zustand, Nutzungskonzept

Gliederung:

1_form follows function
Der Milchhof Arnstadt als Beispiel der Strahlkraft der Bauhaus-Avantgarde /
von Walter Grunwald
2_new function follows art & creativity
Die Zukunft des Milchhofs als multifunktionaler Veranstaltungsort, Galerie zeitgenössischer Kunst und Kulturzentrum / von Walter Grunwald und Jan Kobel
3_new functions, new horizons
Der Milchhof und die Entwicklung des Quartiers am Mühlgraben /
von Jan Kobel

Der Milchhof in Arnstadt
Geschichte, Zustand, Nutzungskonzept
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