Fünf Gründe für die Platte …

Hinschauen oder wegschauen? Mit jedem abgerissenen Block – hier Leipzig 2007 – wächst die Erkenntnis, dass mehr verschwindet als ein paar Scheiben Beton. Egal ob Denkmal der Klassischen Moderne oder Plattenbau aus den 70ern, wir müssen die Stadt weiterbauen und umgestalten. Aber nicht abreissen und uns einbilden, dass besser wird, was wir danach neu errichten. Nur aus dem respektvollen Dialog mit dem Gewachsenen entsteht Geborgenheit.

„Seit Anfang der Moderne macht der Architekt erst einmal Tabula rasa, und setzt dann seine neuen Gebäude auf’s Grundstück. Mit diesem falschen Bild im Kopf leben wir noch“  Muck Petzet

… oder warum wir (auch) Plattenbauten nicht mehr abreißen sollten

Der Münchner Architekt Muck Petzet macht vor wenigen Jahren Schlagzeilen, als er auf der Architekturbiennale in Venedig 2012 im Deutschen Pavillon seine architektonische Trias „Reduce, Reuse, Recycle“ präsentierte. Da wir Architektur teilweise wie ein Müllproblem behandeln, sollten wir die Gesichtspunkte der Nachhaltigkeit auch auf das Bauen anwenden: Neubauten reduzieren, Altbauten umnutzen, Materialien weiterverwenden (Interview Muck Petzet / Detail / Oktober 2012).

Fünf Gründe für die Platte … weiterlesen

Urknall der Moderne
Das Bauhaus in Weimar und Dessau und der Milchhof in Arnstadt

Titelbild: Rekonstruktion des Meisterhauses von Gropius in Dessau durch das Architekturbüro Bruno Fioretti Marquez

2019 schaut Deutschland auf die Gründung einer Institution zurück, die in den Augen der Welt den Anfang all dessen symbolisiert, was wir als Modernes Bauen und Design bezeichnen: das Staatliche Bauhaus in Weimar, 1919 von Walter Gropius gegründet. Was ist so besonderes daran, dass Tausende auf den Spuren dieses internationalen Aufbruchs 2019 nach Deutschland und Thüringen kommen werden?

Entwurf einer kleinen Ausstellung anhand des Milchhofs in Arnstadt in drei Akten / ab 27. November 2015 im Stadthaus Arnstadt

von Judith Rüber und Jan Kobel Urknall der Moderne
Das Bauhaus in Weimar und Dessau und der Milchhof in Arnstadt
weiterlesen

Das Bauhaus Weimar und seine Bedeutung für Thüringen

Dankesrede von Dr. Jan Kobel anlässlich der Verleihung des Thüringer Förderpreis für Denkmalpflege 2015 an den Milchhof Arnstadt in Schmalkalden am 12.09.2015
Titel: Detail aus den Treppenhäusern des Bauhaus Dessau / Walter Gropius (links) und Milchhof Arnstadt / Martin Schwarz (rechts). Foto rechts: Walther Grunwald

Sehr geehrte Damen und Herren,

Ende August fuhren meine Frau und ich abends nach Weimar, zu einem Vortrag von Neil MacGregor, dem Direktor des British Museums in London und designierten Chefkurator des neuen Humboldtforums in Berlin. Er sprach über das Geschichtsverständnis der Deutschen und über Deutschlands kulturelle Sonderstellung in Europa, und er sprach, wie nur ein Angelsachse über Deutschland sprechen kann – und darf: voller Bewunderung und Begeisterung.

In seiner Rede ging es auch um Buchenwald, und er sagte den Satz:

How could it happen? How did all the great humanizing traditions of Germany – Dürer, Luthers bible, Bach, the Enlightenment, Goethe, the Bauhaus and much much more fail to avert this total ethical collapse?

Wie konnte Buchenwald passieren – im Land von Bach, Goethe und Bauhaus? Und während MacGregor noch gestand, daß er darauf keine Antwort kenne, dachte ich mir: er spricht über Deutschland, aber genau genommen spricht er über Thüringen. Das Bauhaus Weimar und seine Bedeutung für Thüringen weiterlesen

„… berufen, die Bevölkerung zu versorgen“
Der Architekt Martin Schwarz über den Milchhof Arnstadt

Der Arnstädter Architekt Martin Schwarz über den Milchhof Arnstadt anlässlich dessen Eröffnung am 04.12.1928 / 
Abschrift aus dem Arnstädter Anzeiger v. 03.12.1928
Achtung: dieser Artikel einer Tageszeitung umfaßt 16.000 Anschläge! Er stammt offenbar aus einer Zeit, als die Presse noch nicht befürchtete, mit detaillierten Ausführungen ihr Publikum zu "überfrachten".

Der Milchhof Arnstadt

Zur Eröffnung am 4. Dezember 1928
von Dipl. Ing. M. Schwarz, Architekt Arnstadt

Seit Jahren mehrt sich in allen Ländern – unterstützt durch eine wirksame Propaganda der an einer rationellen Volksernährung interessierten Kreise – die Erkenntnis vom Wert der Milch und der Milchprodukte. Vorbildlich ist in dieser Hinsicht Amerika gewesen, wo die Förderung des Milchkonsums vom Staat gleich nach dem Krieg mit allen Mitteln unterstützt wurde.

Auch in Deutschland, insbesondere in Süddeutschland, hat die Bewegung einen ungeheuren Aufschwung erlebt, im Zusammenhang mit der Entwicklung des landwirtschaftlichen Genossenschaftswesens. „… berufen, die Bevölkerung zu versorgen“
Der Architekt Martin Schwarz über den Milchhof Arnstadt
weiterlesen

Der Milchhof Arnstadt von 1928
Geschichte, Zustand, Nutzungskonzept

Gliederung:

1_form follows function
Der Milchhof Arnstadt als Beispiel der Strahlkraft der Bauhaus-Avantgarde /
von Walther Grunwald
2_new function follows art & creativity
Die Zukunft des Milchhofs als multifunktionaler Veranstaltungsort, Galerie zeitgenössischer Kunst und Kulturzentrum / von Walter Grunwald und Jan Kobel
3_new functions, new horizons
Der Milchhof und die Entwicklung des Quartiers am Mühlgraben /
von Jan Kobel

Der Milchhof Arnstadt von 1928
Geschichte, Zustand, Nutzungskonzept
weiterlesen

Thüringer Förderpreis für Denkmalpflege 2015

Ostseite des Milchhof Arnstadt 2015

Der Förderverein Denkmalpflege in Thüringen e.V. vergibt alljährlich einen Preis zur Unterstützung eines aus Sicht der Jury bedeutenden Projektes in der Denkmalpflege. Der Preisträger 2015 geht an den Milchhof in Arnstadt. Die Preisverleihung fand am 12. September 2015 auf Schloß Wilhelmsburg in Schmalkalden statt. Hier der Wortlaut der Begründung dieser Entscheidung:

095_Schmalkalden_Schloss_Wilhelmsburg_TLDAstreitberger2015
Schloß Wilhelmsburg / Foto: Werner Streiberger / TLDA

Erfurt. – Die Baudenkmal Milchhof Arnstadt GmbH ist diesjähriger Preisträger des mit 30.000 Euro dotierten Thüringer Förderpreises für Denkmalpflege. Dies gab der Vorsitzende des Fördervereins Denkmalpflege in Thüringen e.V., Frank Krätzschmar, am heutigen Donnerstag, 10. September 2015, in Erfurt bekannt.

Der ehemalige Milchhof in Arnstadt ist Teil unseres wertvollen Bauhauserbes. Der aus mehreren Kuben zusammengesetzte Industriebau verwirklicht in eindrucksvoller Art und Weise in Gestalt, Grundriss, Materialwahl und Konstruktion die Ideen der Neuen Sachlichkeit.

Nachdem der städtische Molkereibetrieb die Nutzung in den 1990er Jahren aufgab, begann das Gebäude zu verfallen. Eine Umnutzung schien lange unmöglich. Verschiedene Eigentümer planten den Abriss, der jedoch stets durch die Denkmalfachbehörde des Freistaates verhindert werden konnte.

Seit Ende 2014 besteht wieder Hoffnung für den Milchhof. Die Baudenkmal Milchhof Arnstadt GmbH erwarb das Gebäude und plant nun mit viel Verständnis für das Baudenkmal eine wirtschaftlich nachhaltige sowie denkmalgerechte Umnutzung zu kulturellen, gewerblichen und Wohnzwecken.

Notsicherungsmaßnahmen sind bereits durchgeführt. Statische und denkmalpflegerische Voruntersuchungen stehen noch aus, damit der Rückbau und denkmalgerechte Ausbau beginnen kann.

Hier leistet der Förderpreis für Denkmalpflege Hilfe. Im Unterschied zum bewährten Thüringischen Denkmalschutzpreis – der abgeschlossenen und besonders gelungenen Sanierungen Anerkennung zollt – hat der Förderpreis den Charakter einer Anschub- bzw. Kofinanzierung. Über drei Jahre werden beispielhafte Denkmalprojekte finanziell und fachlich begleitet.

„Wir freuen uns, mit der Verleihung des Thüringer Förderpreises für Denkmalpflege einen Impuls setzen zu können, der weitere Geldgeber aufruft, die Erhaltung des Milchhofes mit zu fördern. Nicht nur in Hinblick auf das Bauhausjahr 2019 ist die Initiative wünschenswert. Das große Engagement der Bauherren überträgt sich auf die Arnstädter Bevölkerung und gibt dem Industriegebiet in Arnstadt einen städtebaulichen Impuls, der längst überfällig ist.“

Dank der finanziellen Beteiligung der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, des Freistaates Thüringen sowie der Autohaus Peter Gruppe ist der Förderverein Denkmalpflege in Thüringen e.V. in der Lage den Preis auch im kommenden Jahr wieder auszuloben.

Presse und Radio zum Milchhof Arnstadt

Tatkräftige Unterstützer eines ambitionierten Projektes: Thomas Dittrich (links) und Frank Kuschel auf dem Titel der Thüringer Allgemeinen vom 04. Juli 2014 / Foto: Hans-Peter Stadermann

01.03.17_FS Gotha erforscht den Milchhof Arnstadt

30.01.17_“Kein Konzept für das Quartier“_Thüringer Allgemeine

23.11.16_Milchhof Arnstadt in Berlin angekommen_Thüringer Allgemeine

19.11.16_MDR Fernsehen über den Milchhof

30.06.2016_Kolloquium Denkmalpflege und Bauten der Moderne_Thüringer Allgemeine

15.09.12_Tag des Offenen Denkmals_MDR.de

15.09.10_Andreas Reinhardt im Gespräch mit Christian Hühn und Dr. Jan Kobel über die beiden großen Arnstädter Sanierungsprojekte Spittel und Milchhof / MDR Thüringen, 42:35 min

15.05.16_Domplatz 1 mit Benjamin Immanuel Hoff / Thüringer Allgemeine

15.05.01_Arnstadts historischer Milchhof erwacht ganz langsam aus dem Dornröschenschlaf / Thüringer Allgemeine

15.04.28_Milchhof Arnstadt soll Event-Zentrum und Beitrag zum Bauhaus-Jubiläum 2019 werden / mein Anzeiger

15.04.17_Kulturminister Hoff: Zuzug von Flüchtlingen als Chance für die Kultur / Thüringer Allgemeine

15.04.13_Drei Container Bauschutt entsorgt / Thüringer Allgemeine

15.04.07_Subbotnik auf dem Milchhof / Thüringer Allgemeine

14.11.13_Ich würde niemandem raten, da noch Geld reinzustecken / Thüringer Allgemeine

14.07.30_Mit der politischen Wende kam das Aus / Thüringer Allgemeine

14.07.04_1000 Ideen für den Milchhof – doch noch fehlt das Geld / Thüringer Allgemeine

14.07.01_Kunstprojekt rückt leer stehenden Arnstädter Milchhof ins Blickfeld / Thüringer Allgemeine