weiß. nullpunkt der moderne.
Milchhof Arnstadt, 24. Mai bis 31. August 2019

Ausstellungen / Diskussionen / Konzerte / Lesungen / Puppenspiel / Mitmach-Werkstatt /
Eröffnung Donnerstag, den 23. Mai 2019, 18:00 Uhr (Eintritt frei)

Wir begründen eine fundamental neue Ästhetik. Es bleibt uns nichts mehr von der Architektur früherer Epochen
Le Corbusier, 1927

Wir bauen eine neue Gesellschaft, aber diese Gesellschaft darf nicht in die Gehäuse der alten kriechen
Hans Scharoun, 1946

Der Milchhof Arnstadt ist ein Baudenkmal der Klassischen Moderne von 1928, und als dieses sowohl Teil der deutschen als auch der thüringer GRAND TOUR DER MODERNE 2019 sowie offizieller Partner des Bauhaus100-Programms des Bauhaus-Verbundes der Länder und der Stiftungen. Wegen dieser Bedeutung wird das Gebäude des Architekten Martin Schwarz mit Hilfe des Landes Thüringen Schritt für Schritt wiederhergestellt und neuen kulturellen und sozialen Nutzungen zugeführt.

Im Zuge dieser Wiederbelebung präsentieren wir im Sommer des Jahres 2019 das Ausstellungsprojekt  weiß. nullpunkt der moderne. 

Adolf Loos. Villa für Josefine Baker (Entwurf)

Konzeption der Ausstellung:
Wie keine andere Farbe steht die Farbe weiß für den Aufbruch in die Moderne. weiß ist die Farbe des Lichts, die Farbe der reinen Form, die Farbe des Neustarts und des leeren, erst noch zu beschreibenden Blattes Papier.

Bauernhof auf Ibiza, 19. Jahrhundert.

Die Farbe weiß hat aber auch eine politische Dimension. weiß steht für Unschuld in dem Sinne, wie die Ideologen der Moderne sich von Tradition und gestalterischen Werten absetzen wollten. Diese Ideen waren von einer künstlerischen Avantgarde bereits in den Nuller und Zehner Jahre des 20. Jahrhunderts in ganz Europa formuliert worden, zum Beispiel durch den De Stijl-Künstlerbund in Holland. Für ihren Durchbruch bedurfte es jedoch des Zusammenbruchs der Alten Welt, den zuerst das Jahr 1918, dann, verschärft, das Jahr 1945 verkörperte.

Das Rietveld-Schröder-Haus, Utrecht 1924 / © Hay Kranen / CC-BY

Erst ein von Krieg, Leid und Schuld erschüttertes Land bot den Resonanzkörper für die radikale Idee eines architektonischen, gestalterischen und städteplanerischen Neustarts. weiß – in aller Unschuld und befreit vom Ballast der Väter.

Das Bauhaus in Weimar als erste avantgardistische Ausbildungsstätte des modernen Gestaltens war DER Durchlauferhitzer für diese Idee. Nicht zufällig entstand das Bauhaus am gleichen Ort und zur gleichen Zeit wie die Gründung der Weimarer Republik: Als Walter Gropius im April 1919 das Staatliche Bauhaus in Weimar gründete, rang nebenan noch die Deutsche Nationalversammlung um die neue Reichsverfassung.

Schnee-Ornament auf Scheunendach

Die Ausstellung  weiß. nullpunkt der moderne. geht diesen gestalterischen, ideologischen und diskursiven Fragen nach. Dabei soll die Farbe weiß sowohl in ihrer sinnlichen Vielfalt erfahrbar werden, denn weiß ist nicht einfach weiß. Die mit weiß konnotierte Programmatik des absoluten Neustarts wird ebenso hinterfragt, wie die mit der Industrialisierung des Bauens einhergehende Zerstörung des Handwerks und der lokalen Baukulturen überall auf der Welt. Der Purismus der Moderne dient dieser Bauindustrie bis heute als ästhetisches Deckmäntelchen für die Tristesse und Ödnis ihrer Resultate.

Günther Uecker

Wir zeigen und bieten: Malerei, Skulptur, Fotografie und Videos zeitgenössischer Künstler. Interaktive Installationen, die Fragen des Bauens und Gestaltens thematisieren. Neun Veranstaltung an den Wochenenden mit Lesungen, Konzerten, einem Puppenspiel und Podiumsdiskussionen.

 

John Cage. Partitur

Aus dem Ausstellungs-Programm:
/ Geschichte, Gestalt und Technik der weißen Fliese am Beispiel des Milchhof Arnstadt
/ Haptik, Struktur und Tönung von Papier (Mitmach-Werkstatt)
/ Weiß in der Architektur von den weißen Kuben Griechenlands bis zur Hamburger Philharmonie
/ Die Stunde Null und die Reinheit der autogerechten Stadt
/ Marokkanischer Berberteppiche mit Knüpfwerkstatt: wir knüpfen einen Teppich auf einem marokkanischem Knüpfstuhl (Mitmach-Werkstatt)
/ Videoinstallation: der Magreb und sein Einfluß auf Architektur und Ästhetik der Moderne
/ Arabisches Tee- und Kaffeehaus (Essen und Trinken)
/ Installation: die Welt der Putze: Lehm, Kalk, Tadelakt, Industrieputze (Mitmacht-Werkstatt)
/ Der „white cube“ – der Heilige Raum der Modernen Kunst
/ Malerei, Skulptur und Fotografie zeitgenössischer Künstler
/ Musik von Eric Satie, Steve Reich, John Cage, Joh:Seb:Bach und anderen
/ Die Verachtung des Ornaments durch die Architektur
/ Des Architekten Martin Schwarz’s Weg in die Moderne
/ Der Milchhof als genossenschaftlicher Bau und die soziale Dimension von Architektur

Marokko, Mittlerer Atlas

Eintritt: 8,00 € / ermäßigt: 4,00 €

 

 

Aus dem Veranstaltungs-Programm (Stand 04.01.2019):

Donnerstag, 23.05.2019, 18:00 Uhr weiß. nullpunkt der moderne /
Eröffnung der Ausstellung
Fotografie, Malerei, Skulptur und Musik zeitgenössischer Künstler
Freitag, 31.05.2019, 18:00 Uhr Blaupause (Roman)
Das Leben am Bauhaus
Lesung mit Theresia Enzensberger
Samstag, 15.06.2019, 18:00 Uhr Ornament als Verbrechen /
die Ornamentverachtung der Moderne
Podiumsdiskussion mit Maria Ocón Fernándes, Amandus Sattler, Jasper Cepl (angefr.), Thomas Laubert
Samstag, 22.06.2019, 15:00 Uhr Hannes Meyer und das Bauhaus als soziale Bewegung Podiumsdiskussion mit Werner Möller, Thomas Flierl, Hans-Rudolf Meier, Johannes Emmert und Judith Rüber
Samstag, 22.06.2019, 19:00 Uhr Paris-Weimar-Tokio / Französische Musik von 1936 bis 2019 Konzert mit Uraufführung. Mit Reinhard Wolschina, Chris Bilobram und Joy Dutt
Freitag, 05.07.2019, 18:00 Uhr Gropius – der Architekt seines Ruhms /
zum 50. Todestag von Walter Gropius
Lesung mit Bernd Polster
Freitag, 12.07.2019, 18:00 Uhr Die Abenteuer des kleinen Buckligen / Die Marionetten des Oskar Schlemmer Puppentheater mit Musik von Paul Hindemith. Mit Christian Georg Fuchs und Reinhard Schmiedel
Freitag, 19.07.2019, 18:00 Uhr Phönix aus der Asche /
Das Quartier am Milchhof
Podiumsdiskussion mit Sabine Wosche, Dieter Blase, Daniel Woite, Unternehmern und Vertretern der Stadt Arnstadt
Samstag, 10.08.2019, 18:00 Uhr 300 Jahre Moderne Musik / von Bach über Cage bis zu Reich und Shai Konzert mit Uraufführung / Ensemble Tamuz
Robert Ryman / Carl Andre

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