Was bleibt bis heute?
Eine Ausstellung in Bonn über das Bauhaus in Zusammenarbeit mit dem Vitra Design Museum

 

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„Es ist bemerkenswert, Ragnar, wie wenig Ahnung du von Oskar Schlemmer hast!“ / Cartoon von Ragnar Kjartansson, gesehen in der Bundeskunsthalle in Bonn im Juli 2016

 

„Das Bauhaus war eines der radikalsten, alles verändernden ästhetischen Konzepte, das es vielleicht jemals gab“ (Tobias Rehberger)

„Alles ist Design“ meint die Bundeskunsthalle in Bonn noch bis Mitte August 2016. Zwar ist das Bauhaus-Jubiläum in Bonn noch kein Thema, aber die Ausstellung dürfte einen Startpunkt markieren zu einer ganzen Reihe von Ausstellungen bis 2019. Da stellen sich spannende Fragen, von der Monotonie des modernen Innenausbaus mit Knauf-Gipsplatten über den IKEA-Erfolgsweg des Designs bis zu den Irrungen und Wirkungen des Städtebaus im 20. Jahrhundert. Die Bonner Ausstellung aber geht einen anderen Weg:

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Die soziale Frage in der Gestaltung: zwei Plakate von Willi Baumeister und Hans Leistikow

Sie setzt sich mit den verschiedenen Aspekten des Bauhauses auseinander als einer Institution, die sich im Wesentlichen mit den gleichen Fragen befaßt habe wie die Architekten und Gestalter heute. Stichwort „Zeiten des Umbruchs“. Ein ziemlich abstraktes Fundament, bei dem sich jeder etwas anderes darunter vorstellen kann.

Dafür sind sehr schöne Exponate zu sehen, wie zum Beispiel ein Plakat von Willi Baumeister zur Werkbundausstellung 1927 in Stuttgart mit einem durchge-ixten Foto einer bürgerlichen Wohnstube oder einem Musterbüchlein von Bauhaus-Tapeten, einem der erfolgreichstem Produkte des Bauhauses:

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Tapeten-Musterbuch von 1930

Was die Ausstellung ausblendet:  einen kritischer Rückblick auf die Ornamentfeindlichkeit der Kreativen jener Zeit oder auf die Steilvorlagen für eine moderne Billig-Architektur der Langeweile und Austauschbarkeit, die das Bauhaus auch geliefert hat, sucht der Besucher vergebens.

Eine Frage bleibt ebenfalls unbeantwortet: was ist es eigentlich, dass uns das Design der Avantgarde der 20er Jahre heute so gefällt? Sind wir so sozialisiert, dass die Formensprache des Bauhauses unser ästhetisches Urteilsvermögen derart prägt – oder sind die Gestalter mit ihrem Anspruch auf Funktionalität, Schlichtheit und Stil-freiheit damals tatsächlich auf einen zeitlosen und universellen Trichter der Formgebung gekommen?

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Dennoch ist die Ausstellung sehenswert. Es erstaunt immer wieder, wieviele Aspekte der Gestaltung, von der Schrift bis zur Wohnsiedlung, in den 14 Jahren des Bauhauses dort revolutionär neu gedacht wurden. Und das obwohl dies Schule von Anfang an unentwegt finanziell und politisch um ihr Überleben zu kämpfen hatte.

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